Das LAMENG in Miesbach wird seit einem Jahr von dem jungen heimischen Koch Matthias Kuchlmeier betrieben. Es gibt einen Bistrobereich und ein großes Abendmenue, das angesichts der Sternequalität mit 125 € wirklich günstig angesetzt ist – es ist sogar möglich, das Menue zum halben Preis als Verkostung zu teilen.

Die Speisekarte mit ca. 10 Gängen hat mir schon deswegen imponiert, weil sie geistreich mit einem Auge für Jahreszeiten, Regionalität und Trends verfasst ist, aber hinter jedem scheinbaren Gag sich eine durchdachte, geschmacklich überraschende und stimmige Umsetzung verbirgt.

Ein paar Ideen: „Wintergemüse aus unserer Schatzkammer“ überzeugt mit gepickeltem Spargel und mit Steinklee überpuderten, flüssig aufplatzenden. Holunderbeeren-Mini-Cakes. Als Kostproben vom „Moarhof-Ochsen“ gibt es japanisch angerichtetes Carpaccio mit würziger, durch Bergheu geseihter Brühe und ein Pastetchen vom Tatar mit Entenspeck. „Auster Lameng“: Echt umgehauen hat mich und meine Tischdame das Hendl: bajuwarisches Understatement für das legendäre Pfaffenstück (ein winziges Filet unter dem Beckenknochen des Hühnchens), das in französischen Restaurants als sot l‘y laisse (Nur ein Narr läßt das liegen) als rare Dekilatesse gilt und in deutschen Landen praktisch nie serviert wird. Der marinierte Saibling, oft etwas brav und ideenlos präsentiert, gewann durch die leicht harzige Fruchtigkeit einer Grapefruit-Feigenblattemulsion geschmackliche Tiefe. Vegane cucina povera mit angegossenem köstlich konzentriertem Pilzsud ist das Zwiebel-Süppchen mit Bubespitzle.

Wir sind im Februar, im Fasching: Deswegen kommen die Gänse-Lauch-Ravioli wie confettibunte „Knallbonbons“ daher. „Die Farbe Orange“ spielt mit Karotte und Marille als Begleiter von sous-vide gegartem Rehfilet. Und die vier Desserts sind so perfekt leicht abgestimmt, dass man nie das Gefühl von Übersättigung hat: Als Schlußakkorde schwebten „Faschingsüberraschungen“ herein: Bonsai-Krapfen, gefüllt mit Grüner-Tomaten-Marmelade und winzige Eispyramiden mit subtilem Flavouring: Mögen Sie raten? Muskatblüte, ein Hauch Ingwer, Zitronenzesten, weißer Pfeffer verleihen der Weißwurst ihr zartes Aroma. Sie mit Eis zu verschmelzen ist ein sensorischer Meisterstreich mit Bodenhaftung.

Was mir auf den ersten Blick gefallen hat, sind die schönen alten Wirtsstuben, die dezent abgestimmte moderne Mobilierung und die liebevolle Tischdeko: Wer will, kann sich Pfefferkörner im Tischmörser zerstoßen, oder Salzkristall selbst reiben. Nötig ist das bei dieser überzeugenden Küchenleistung nicht. Pluspunkt auch die herzliche unkomplizierte Bewirtung durch den Gastgeber persönlich. Also geht hin. Das ehrliche faire Konzept von Matthias Kuchlmeier verdient es. Großes Kino im herzlichen Wirtshaus.

Übrigens, ich war per Bahn dort. Hauptbahnhof München-Miesbach dauert 40 Minuten, das Lokal ist 3-4 Minuten zu Fuß vom Bahnhof entfernt.

LAMENG KOLPINGSTR.2
83714 MIESBACH
TEL. 08025 9240128
www.das-lameng.de

Menue DO-SO 18-22.30 UHR
Bistro auch FR-SO 12-14 UHR